Gedichte


 

Todblau leuchtet der Abend Vergessen
Im haltlosen Rausch meiner Zeit
Durch seelenvergilbtes Gestein wie besessen
Der moosige Anker liegt längst schon bereit
Und auch die dunkle Vermutung der Nacht
Die schleierhaft sich über dich legt
Verglüht in den Wehen - bevor sie erwacht
Wandeln Traumstraßen blutwundgefegt
An mir vorüber

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)

 


 

Was bleibt

Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne
Regnen leise auf den Abend
Ein einsamer Vogel
Singt sich in den Schlaf
Der Tag zerfließt
Zu den Abgründen
Der Vergangenheit
Wie niemals gewesen
Und doch erlebte Erinnerung
Als einziges
Was bleibt
Sie und der Augenblick
Sonst nichts

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)

 


 

Wenn die Träume dieser Nacht
Unerkannt an mir vorübergehen
Leeren Hüllen gleich
Die
Trotz des Tages Licht
Schattenhaft den Blick vereisen

Wenn das alte, weiße Schaukelpferd
Von dem die Farbe blättert
Immer noch ein Lachen trägt
Das
Trotz der vielen Jahre
Nicht weichen kann

Dann Schweig und
Geh

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)

 


 

Zogen nicht einst die Schwäne
Über das halb verblutete Land
Meiner Selbst

Und waren nicht schwarz ihre Flügel
Gleichsam den Lügen dafür
Die der Himmel kaum trug

Und in dem längst vergessenen Haus
Sind die Fenster erblindet
Seine Mauern verdornt

Dein weißes Gewand
Trinkt sich voll mit dem Blut
Und leuchtet ganz hell

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)

 


 

Oma

Wenn das Herz langsam still wird
Und von der großen Kraft
Die in Dir einst blühte
Nur noch ein zartes Echo klingt
Dann blicke auf die Welt zurück
Und sage lächelnd
Lebe wohl

Wenn unsere Trauer langsam still wird
Und von der großen Liebe
Die in Dir einst blühte
Auf Ewig ein zartes Echo klingt
Dann blickt die Welt auf Dich zurück
Und sagt lächelnd
Danke

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)

 


 

Zerdichtung

Ich möchte Gedichte zerstören
Im offenen Kampf
Mit Hammer und Schwert

Die schönen Worte vernichten
In Lager geschickt
Gezählt und sortiert

Brennt
Ihr großen Gedanken

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung

 


 

Ist Zeit

Seh' ich noch
Blind gewordene Schönheit
Der Jugend
Fahl in sich zusammen
Sinken
Ohne tröstende Hand
Greifbar
Wie versteinerte Träume
Staubbedeckt
Verdorrten Feldern gleich
Einem Wunschfriedhof
An dessen Gräbern
Wir stehen und
Um Verzeihung bitten
Was bleibt im Blick
Seh' ich noch
Ist Zeit

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)    

 


 

Töchter des Acheloos

Glaube mir ein letztes mal
Wenn ich in deine Augen blicke
Die im Grunde Sterne sind

Glaube mir ein letztes mal
Es ist viel mehr als eine Melodie
Die tief in meiner Seele klingt

Glaube mir ein letztes mal
Mir fehlt der Mut auf dieser Brücke
Die scheinbar dunkel vor mir liegt

Glaube mir ein letztes mal
Ich liebe diese Aporie
Die meinen Untergang bestimmt

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)  

 


 

Zwiespalt

Die Verzweiflung wächst
So auch die Hoffnung
Die Hoffnung als Schein erkannt
Die Verzweiflung wächst ins Uferlose
Die Verzweiflung als Schein erkannt
Die Hoffnung leuchtet unsicher und dünn
Die als Schein erkannt
Das Uferlose wächst
Unsicher und dünn leuchtet das Leben
Das Leben als Schein erkannt
Die Hoffnung wächst

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)  

 


 

Agenda 2010
Raus bist Du und
Kannst jetzt geh’n
Sollte das
Nicht mehr gelingen
Tröste Dich
Denn dahin wo
Du noch von Nutzen bist
Wird Sie Dich bringen
Früher oder später zwar
Doch Tod macht alle gleich
Genossen
Ist das nicht wunderbar

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)

 


 

Groß die Nacht im schwarzen Ich
Leuchtet unsagbar gemein
Still wie flüsternd Abendmahl
Mit gegornem Wein
Entsage ich dem Ritual
Geht hin alle ihr
Und schaut
Mein bleibt fahl zurück
Und doch
Trinkt das Herz
Genug für zwei
Weine nicht
Wie es scheint

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)   

 


 

Scheinbar

Still gehst
Du
Über das Land

Nachts
Wenn ich unruhig
Im Schlaf
Liege

Weit - bevor
Dein Lächeln
Mich erweckt

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Gegen alle Hoffnung)

 


 

Das gute Grab
Schaufelt allein
Mich zu Dir

Mein Kleid
Scheint weiß
Bevor ---
Die Blumen singen


© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)    

 


 

Keimend

Zweifel streut
Puderstaubfein
Todesangst auf

Anders trägt Nacht
Dunkelheitsnah
Schatten ein

Ahnung legt
Lichtentleert
Traum über

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus

 


 

Schlaf reiß raus
Traum

Vernichte mich
Bilderflut

In ewiger
Flucht

Zieht Nebel
Über den Tag

Einsam und
Sprachlos

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Herbst

Der Herbst blüht über aller Zeit
Sanfter Duft nach toten Blättern
Pflastert Glitzern unsre Straßen
Nicht allein von Tränen nur
Die das Jahr vergessen hält
Zieht sich über uns
Ein sanfter Schleier
Der mich trotz der Welt
Schlicht umarmt
Und saglos fällt

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Das Wort
Gebrochen aus frierenden
Mündern
Verweht sich
Allein

Der Duft
Seiner Silben
Liegt
Auf den Lippen
Blutig und
Schwer

Die Atemwende
Toter Zeiten
Im Blick
Holt der alte
Fischer
Es ein

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Vergleichliche Verwindung
War nie stärker
Und der Duden streikt
Hans Albers war das
Die Freunde sagen
Du gehst drauf
Denk an Bukowski
Und
Mir doch egal
Was kann die Welt
Heute bieten
Jawoll meine Herrn
Untergehen will
Auch
Gelernt sein

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Das blaue Kreißen

Wenn dein Blut ertrinkt
In tausend Liebesnächten
Die auferstanden sind
Dem Himmel meine Dunkelheit
Zu rauben
Sternenseelengleich
Hat ein Herz den Tag
Entbunden
Und klingt leise aus

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Späte Saat

Der verschwommene Klang deiner
Augen
Blutet in mein morsches Herz
Will ihm das Tanzen wieder
Lehren
Mit jedem Schlag
Wie Engelsflügel
Bricht der Lider
Schattenspiel
Sternensplitter aus der
Nacht
Setzt sie tief
Bis auf den Grund
Verschließt die hellen
Wunden
Legt zwei Tränen
Obenauf
Und kehrt um

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Leuchtende Tränen

Ausgehaucht hat dein Herz
Meinen Namen
Wie einen letzten Atemzug

Und
Ertrunken treibt der Schwan
Einer Liebe
Leise zurück
Ins offene Meer

Und
Der Himmel weint
Einen Stern
Auf die Nacht
Legt Gesänge darüber

Und
Träumt aus

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Zensur der Zeit

Zwischen deinen Augen - Blicken
Schläft ein Sturmgesang
Den greise Glocken schicken
Aus fernem Untergang

Verwildert liegt mein Herz in Flammen
Ein Name scheint dort eingraviert
Und nur das Moos hält noch zusammen
Was die Erinnerung verliert

Geblieben ist das dunkle Rauschen
Das meine Seele immer spürt
Dem tiefen Klang zu lauschen
Der Ewigkeit – die mich verführt

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Schlaflos

Zerbrochen liegt die Nacht auf mir
Und meine Augen - bluten
Schwere Rosenschleier in die Gischt
Wo sonst nur Träume fluten

Die Reste sinken langsam nieder
Und vor den Toren stehen schon
Die weißen Flüsse siegessicher
Und ihr Lachen klingt wie Hohn

Gestrandet lauscht der alte Fährmann
Dem dunklen Wellenspiel
Und wieder wird er fahren
Traumbeladen - ohne Ziel

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Wie Liebe

Verstohlen liegt mein Blick auf Dir
Vielleicht auch nur ein Träumen
Dein Herz - so scheint’s - entspringt in mir
Und mündet unter Rosenbäumen

Der Wind, der deinen Duft entliehen
Verzaubert leise mein Gesicht
Hält kurz den Atem an - im Weiterziehen
Und vertanzt als Abendlicht

Zerbrochen liegt mein kaltes Schauen
Einsam in der Nacht
Du ruhst in allen Morgentauen ---
Ich unter Rosenpracht

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Gefroren liegt
Die Erinnerung mir
Auf der Brust

Nebelgleich sinkt
Im losen Vergessen
Mein Blick

Einsam zieht
Der Suchende mich
Zu dir

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Bleib mir
Noch eine Minute
Im Herzen
Bevor du schläfst

Selbst wenn
Es nur in
Träumen schneit
Bleib

Die Zeit
Liegt unscheinbar
Auf dir
Verzeih

Und Rosen
Leuchten anders
Als mein
Bleib

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Schwanger trägt sie
Ihre Wünsche
In die Nacht

Still treibt der
Duft nach Bäumen
Pfade in das Moos

Im Fenster liegt
Die Straße dir
Vor Augen

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Im nächtlichen Glanz
Deiner Augen
Liegt ein dunkles Versprechen
An mich

Und bevor der Morgen
Verblutet
Brennt es tiefer
Auf mir

Gehalten - ein Traum
Wir lachen
Und werfen es dir
In den Mond

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Blaß schmiedet
Der Morgen seine
Pläne

Hautnah liegt
Mir ein Vergessen
Gegenüber

Leise ruft
Der erste Vogel
Mich aus

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Silbern streift
Mich
Dein Lächeln

Vergessen greife
Ich
In den Wind

Kurz bevor
Der Regen sich
Verfärbt

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Sie hatte ihr
Haar in den
Wind geschlagen

Ich trank
Den Durst
Ihrer Seele

Und
Blutleer lag
Der Morgen
Im Himmel

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Fragen

Die Frage – ob ich dich liebe
Beantwortet mich nur zum Teil

Die Frage – ob ich in deinen Armen
Sterben möchte
Legt mich dir zu Füßen

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Ziehen sie
Schon unsere
Kreise

Tief bedeckt
Hält meine
Hand die
Sonne

Laß uns
Noch einmal
Von den Wiesen
Springen

Im späten
Licht fällt
Unbesehen Dein
Blick

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Dein weiches
Lächeln liegt
Vergossen im
Traum

Ich halte
Mein Segel
Wie eine
Frage

Das leise
Rauschen vom
Beginn einer
Lüge

Der erste Gedanke
Weht den
Zweifel weiter
Tagwärts

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Dein tiefes
Schlafen macht
Mir Angst

Wie eine
Blume hält
Mein Blühen
Dich

Und unser
Herz schlägt
Schatten
In die Nacht

Auf seiner
Leinwand liegen wir
Vergessene Farben
Im Traum

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Ich hab dir meine
Asche verbrannt

Als wir schliefen
Unter Rosensteinen

Wo die Nacht
Am dünnsten ist

Und der Mond Dein
Lächeln zerschnitt

Wie konntest du
Das wissen

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


 

Mach die
Tage mir
Verrinnen

Doch schenke
Sanft
Die Wunde
Zeit

An deinen
Ufern will
Ich sinnen

Wie das
Verwelkte Jahr
Ins Dunkel
Greift

 

© Ulrich P. Hinz (Aus: Träum aus)

 


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